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Mutter, Vater sein dagegen sehr..


Mutter und Vater werden ist nicht schwer, Mutter und Vater sein dagegen manchmal sehr. Denn dieser Status, der ja Berufung ist oder sein sollte, geht einher mit zahlreichen garantiert Renten freien und oft auch nicht sehr dankbaren Nebenjobs. Denn in dieser Berufung findet man sich sehr viel in der Küche wieder, sieht sich mit Bergen von Wäsche konfrontiert, einer Wohnung, einem Haus, das schneller schmutzt, als man gucken kann und eventuell noch einem Garten, der gepflegt werden will. Viele organisatorische und administrative Aufgaben kommen hinzu, die man erledigen darf und es ist ratsam, sich in Krankenpflege und Psychologie schlau zu machen. Naht die Schulzeit, darf man dann auch noch als Nachhilfelehrer der Nation agieren (Zitat eines empörten Vaters auf einem Elternabend einer Grundschulklasse). So leistet man nicht nur einen gesellschaftlichen hochwertigen Beitrag, man hält auch seinem schwer arbeitenden Partner den Rücken frei und stärkt dessen Karriere.
Dieser sorgt im Gegenzug für ein finanziell abgesichertes Leben und viel Liebe und Verständnis – wenn es gut läuft. Es läuft aber nicht immer gut und dann steht Frau oder auch Mann wirklich mit allem alleine da. Hat man Geld, kann man sein Leben organisieren und einige der ungeliebten Nebenjobs loswerden und sich um die eigene Karriere kümmern. In sehr gut betuchten Szenarien wird dann gleich mal Kinderaufzucht, Pflege und Erziehung durch Aupairs, Kindermädchen und Gouvernanten geleistet. Mama und Papa schmücken sich dann bei gelegentlichen Ausgängen mit nett angezogenen Kids, hinter denen die Nannys zum Eingreifen in etwaigen Notsituationen wie vollen Windeln, übermäßigem Geschrei oder einfach nur Langeweile bereitstehen.
Hat man das alles nicht zur Verfügung, dann muss man eben multifunktional sein – eine Fast-Alles-Könnerin oder Könner. Aber aufgepasst! Versagt man in einem seiner Nebenjobs wird das sofort und gnadenlos geahndet, mehr noch als in funktionierenden Beziehungen. Da sind die eigenen meist „Übermütter- und Hausfrauen“, nicht zu reden von – die Ausnahmen bestätigen die Regel – noch schwierigeren Schwiegermüttern, die ihre Ratschläge ungefragt auf die doch unerfahrenen Neumütter/Väter herab regnen lassen. Die Nachbarn, die sich über den Kinderlärm ihm Garten beschweren und unterstellen, dass man nicht konsequent und strikt erziehen könne. Kinder schreien nämlich nicht, wenn man alle Register der einschlägigen Erziehungshandbücher gezogen hat. Später dann die Lehrer, die pädagogisch selbstverständlich die Weisheit mit Löffeln gefressen haben. Über mangelnde Besserwisser im Umfeld muss man sich wahrlich nicht beschweren.
Wenn man Glück hat, aber nur dann, hat man einen Gefährten, sei es Ehemann/Frau oder Lebensabschnittsgefährte/in, der/die fest zu einem steht und nicht grummelnd aus seinem/ihrem Job nach Haus kommt, sich hinter Fernseher, zu den Hobbys oder vor den PC verzieht, um dem täglichen Wahnsinn zu entgehen. Nein, wenn man Glück hat, nimmt er/sie Ihnen die Kinder ab, hört sich Klagen über zu wenig Schlaf, zu viel Wäsche, zu viel Putzen, zu viel Schwiegermutter und überhaupt, wie die eigene Karriere auf der Strecke bleibt, geduldig zum hunderten Mal an. Er spendet Trost und Zuversicht und liebt einen einfach nur. Dann erst kann man mit ihm/ihr die vielen netten Tagesgeschichten über die Kinder und die Freude an ihnen teilen. Dann ist alles gut. Man atmet durch und genießt die Familie.

Ärgerlich bleibt aber, dass man wenig gesellschaftliche Anerkennung für den Haupt- und all die Nebenjobs erhält, ganz zu schweigen von Rentenzahlungen – oder sie sind nicht der Rede wert. Und wehe, man hat nicht den liebevollen Mann oder die liebevolle Frau, die/der alles mit einem teilt, sogar das Bankkonto – bis ans Lebensende, ja dann ist Erfindungsreichtum und noch mehr harte Arbeit angesagt. Der Staat schreit zwar nach Kindern, honoriert auch die steigende Geburtenrate mit entsprechenden Prämien und Kindergeld – übrigens wohlgemerkt in Deutschland wie in keinem anderem europäischen Land. Letztlich muss man aber selbst die Arbeit leisten und ausreichend Kleingeld für alle anstehenden Bedürfnisse verdienen.

Auch bei aller staatlichen Unterstützung ist es deshalb jedem Erziehenden zu wünschen, weder von Anfang an die alleinige Erziehungsverantwortung zu haben, noch alleinerziehend zu werden, ohne eine entsprechende Absicherung zu haben oder einen sehr gut bezahlten Job. Letzterer ermöglicht es zwar, eine kleine Armada von Hilfskräften anzuheuern, die Kind oder Kinder und Haus und Hof pflegen. Zeit für den Nachwuchs bleibt dann trotzdem nicht allzu viel. Oder man hat das große Glück eines familiären Netzwerkes mit netten Tanten, Onkeln und Großeltern, die Zeit und Energie bereitstellen. Das letztere Szenario schwindet allerdings in der Gesellschaft schon häufig aufgrund räumlicher Trennung der Familien mehr und mehr.

Weitgehend sind immer noch Frauen alleinerziehend, aber die Männer holen auf. Diese haben zwar meist die besser bezahlten Jobs und oftmals erfahren sie auch mehr Unterstützung von mitfühlender weiblicher Seite, aber es erwartet sie dennoch häufig auch ein steter Überlebenskampf. Denn Kinder kosten nicht nur ziemlich viel Geld, nein, auch Zeit. Man will ja da sein für das Kind oder die Kinder. Will ihm/ihnen die Welt, so gut man es vermag, erklären, in der Schule helfen, in der kaum ein Kind alleine zu Recht kommt, wenn es nicht der totale Überflieger ist. Man will es schützen gegen alle Formen von Übergriffen, was bedeutet, dass man es bis zu einem gewissen Alter nahezu lückenlos betreuen sollte oder es betreut wissen sollte. Man will Spaß haben mit dem Nachwuchs, ihn lehren und von ihm lernen. Auch das erfordert Zeit, die man nicht hat, wenn man von Job zu Job hechelt, um das Kind oder die Kinder zu ernähren, zu kleiden und auszubilden – ganz zu schweigen, all die Wünsche zu erfüllen, die Kinder nun mal so haben.

Kinder sind wunderbar, ein Geschenk! Sie sind Freude, Herausforderung und Bereicherung. Wenn denn all die Voraussetzungen, in denen man als Mutter und Vater mit seinem Kind wachsen und gedeihen kann, erfüllt sind. Sind Kinder nun ausschließlich Privatsache oder doch auch ein gesellschaftliches Anliegen? In Zeiten einer alternden Bevölkerung wird das mehr und mehr zur Frage werden. Wie auch immer das in Zukunft staatlich geregelt werden wird, sind zukünftige Mütter und Väter auf jeden Fall gut beraten, diese Frage nach den besten Voraussetzungen für die Gründung einer Familie zu stellen. Schon um ihres eigenen Lebens wegen ist das legitim.


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