29
Aug
11

Informationen und kein Ende…


Klicke ich auf meinen e-mail-Provider, werde ich sofort mit Werbebannern beglückt, ob ich das möchte oder nicht. Starte ich mein Bankprogramm, wird mir wohl oder übel zuerst der neueste Spot für ein neues Bankprodukt vor Augen geführt, den ich zwar entnervt wegklicken kann, der mir aber dennoch zwei, drei Sekunden meiner kostbaren Zeit raubt. Und das ist das Problem: Es gibt so viele Marketingfirmen , die unsere – möglichst ungeteilte – Aufmerksamkeit auf ihre Produktwerbung ziehen möchten . Ja, ich empfinde das als einen Raub meiner grauen Zellen, die in Bewegung gesetzt werden, ohne dass ich das wirklich entschieden habe. Ich kann keine Website öffnen, ohne sofort als potenzieller Käufer identifiziert zu werden. Lasse ich wilig-unwillig den ersten Spot oder Banner über mich ergehen, überfällt mich die nächste Werbung oder “Information”, um die ich nicht gebeten hatte. Reiz- und Informationsüberflutung ohne Ende. Wir Nutzer von e-mail-accounts, sozialen Netzwerken im Internet, Bank-Onlinekonten müssen geködert werden – unaufgefordert, versteht sich. Waren das früher die Handlungsreisenden in Sachen Staubsauger, Antiallergikerbettwäsche oder der besten Kaffeemaschine aller Zeiten, die uns an der Haustüre nervten, sind das in Zeiten des Internets die von Tag zu Tag zunehmende Bannerwerbung, Pop-ups und Videoclips. Nicht zu vergessen der äußerst ärgerliche Werbeartikel einschlägiger Branchen wie Automobil oder Banken, der den Artikel der Tageszeitung, die man gerade online zu lesen versucht, überschreibt und der nur sehr schwer zu beseitigen ist, vor allem, wenn die Finger auf der Tastatur des PCs bereits vor Wut zu zittern beginnen.
Freier Wille der User oder die schlichte Wahlmöglichkeit, was ich mir ansehen oder anhören will, ist kein Wert an sich in dieser Welt des gnadenlosen Marketings. Wie haben wir nur früher überlebt, als die Verkäufer noch nicht unbegrenzten Zugriff auf ihre potenziellen Käufer hatten. Sie mussten sprechen, die richtigen Worte und die überzeugenden Argumente finden, um ihr Produkt an den Mann oder die Frau zu bringen. Vorher aber war es zwingend erforderlich, dass sie ihre Zielgruppe ausfindig und sie sich gewogen machten, ehe die einzelnen Mitglieder bereit waren, überhaupt einem Verkäufer zuzuhören. Heute wird zwar auch eine Zielgruppenanalyse gemacht, die zum großen Teil im Internet stattfindet. Die Maschine durchleuchtet, was die User anklicken im Internet, wofür man sich interessiert, was man bestellt. Das ergibt Käuferprofile, die dann gezielt abgefeuert werden, um die Teilnehmer des großen Reigens Internet einzufangen, in Kategorien einzuteilen, um sie dann ungefragt und aufdringlich ihrer Aufmerksamkeit zu berauben und mit Angeboten zu bombardieren, die sie wahrscheinlich weder wollen, noch wirklich benötigen.
Abhilfe schaffen dutzende von e-mail-Adressen, die man jedes Mal neu anlegt, wann immer eine Bestellung per Internet unausweichlich oder aus Bequemlichkeit getätigt wird. Keine dieser Adressen wird dann jemals wieder aufgerufen und der Strom der Werbemails, die darauf folgen, versiegt im Niemandsland. Leider bin ich zu faul, immer eine neue Adresse anzulegen und trage mich deshalb mit dem Gedanken, einen Softwareentwickler zu finden, dem es gelingt, jeden unerwünschten Popup, Banner, jede Spammail und jede Werbung, die Artikel überschreibt, direkt an den Absender zurück zu katapultieren – und zwar am liebsten mit unerfreulichem Inhalt wie faulen Eiern – virtuell, versteht sich.


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