19
Aug
11

Gestatten, Ich, die Krise, bin zurück (Teil2)


In mir, der Krise vom Jahre 2008, keimt Freude auf. Trotz aller Beteuerungen der Politik und ihrer Bemühungen weltweit, diese Krise mit Macht und viel Geld zu überwinden, ist es mir gelungen, mich von einem kleinen Rückschlag, der mich danach traf, wieder aufzurappeln. Zarte Regulierungsbemühungen auf dem Finanzsektor, die nicht wirklich fruchteten, Geld, das eifrig gedruckt wurde und auf Reisen um den Globus geschickt wurde, Abwrackprämien, milliardenschwere Konjunkturprogramme – das alles schlug mich nicht k.o. Meine Giftspritzen haben weiterhin alle Versuche, eine langfristige wirtschaftliche Erholung und Wohlstand zwar nicht für alle, aber für viele zu erreichen, gründlich zunichte gemacht.
Die kleinen Helferchen meiner Kampagne, Gier und Selbstüberschätzung, taten weiter ihre zersetzende Arbeit und ließen mein Herz höher schlagen. Nach den Banken gingen der Reihe nach ganze Staaten in die Knie.
Diese haben schon vor der ersten Krise die Augen verschlossen vor dem, was sie jetzt womöglich in den Abgrund steuert: Fehlende Produktivität in ihren Ländern, Arbeit, die etwas schafft, was viele brauchen und wollen, Erzeugnisse, welche die Umwelt nicht schädigen, sondern verbessern, geistige Leistungen, die honoriert werden und welche die Zukunft für eine Gemeinschaft und nicht nur für einige wenige Privilegierte gestalten. Stattdessen setzten sie auf Immobilien und virtuelle Finanzprodukte, aufgebläht wie ein Schweinebauch, der von Antibiotika gefüttert zu platzen drohte, ehe er geschlachtet wurde. Die Immobilien- und Finanzinstrumentenblase musste nicht aufgestochen werden, sie ist von ganz alleine zerplatzt – in Amerika und in Europa – wo diese Art Konjunktur den blinden Fleck der Hoffnung oder einfach der Verblendung nährte. Andere giftige Blüten trieb Griechenland. Das Land hat solange seinen Staatsapparat aufgebläht und die Korruption genährt, bis das gesamte System kollabierte. Auf Luftnummern können nun mal keine Schlösser gebaut werden. Jahrzehntelang wurde Bildung und Ausbildung der jungen Menschen nicht ausreichend ernst genommen. Zukunftsszenarien für eine nachhaltige, produktive Wirtschaft wurden nicht entwickelt. Stattdessen hat Besitzdenken und Gier verkrustete Strukturen geschaffen, die letztlich jeden Fortschritt hin zu einer sozialen Marktwirtschaft mit sinnvollen, realen Gütern im Keim erstickten. Es kann Jahrzehnte dauern, eine zukunftsorientierte Produktion sinnvoller, umwelt- und menschenfreundlicher Güter und Dienstleistungen aufzubauen. Schwer vorstellbar, dass das noch rechtzeitig vor einer Verarmung der breiten Bevölkerung gelingen kann.
Was soll`s? Mir, der Krise kann es nur recht sein – meine Pfründe sind gesichert. Denn die jetzt schon maroden Länder hängen am Tropf derer, die sich das im Augenblick noch leisten können. Wieder spielen die Finanzmärkte verrückt und verwetten die Zukunft vieler, was das Zeug hält. Ich flüstere denen, die dort am Drücker sitzen wie Gollum aus „Herr der Ringe“ zu, „mein Schatz, ich will meinen Schatz“ und ihr Gesicht verzerrt sich vor Gier. Meine persönliche kleine Krise ist überwunden: Mein Säckel füllt sich wieder, ich fühle mich besser und besser und harre der Dinge, die da kommen werden. Je mehr Staaten und Wirtschaften wanken, desto wohler werde ich mich fühlen. Wie eine dunkle Wolke zieht die Angst, die der Gier und Selbstüberschätzung folgt, über die Länder hinweg. Ich und meine Helfershelfer an den Finanzmärkten treiben die Politik munter weiter vor uns her. Längst sind die feinen Damen und Herren der politischen Gesellschaft nur noch Staffage in unserem Theaterstück – sie wissen es nur noch nicht. Wir besetzen die Rollen, steuern die Dramaturgie bis zum bitteren Ende. Ach wie gut, dass niemand weiß, dass ich Gier und Selbstüberschätzung heiß!


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