05
Jun
11

Sexmachine….


So lautet ein Musiktitel von James Brown 1971, der später von Tom Jones wiederaufgelegt wurde. Angesichts des dramatischen Absturzes eines Mannes wie Strauß-Kahn aufgrund seiner ungebremsten und mit Macht gepaarten Sexualität ruft dieser Titel nun ganz andere Bilder wach. Die Verherrlichung von Überpotenz kann ich nicht wirklich mehr tanzbar finden, obwohl das gängige Partymusik war und ist. Sexuelle Übergriffe auf Frauen, gar Vergewaltigung werden zumindest in der westlichen Welt streng verurteilt und geahndet. Und dennoch gab es und gibt es unter Männern, manchmal sogar unter Frauen, eine unausgesprochene Zustimmung zu einem übersteuerten Potenzgehabe. Die Duldung eines über jede Werbung und Verführung hinausgehenden animalischen Verhaltens innerhalb mancher gesellschaftlicher Kreise und manchmal auch ganz „normaler“ Menschen lässt immer wieder verwundern. „Männer sind halt nun mal so“ – habe ich schon aus dem Mund von Frauen gehört. Es geschieht durchaus, dass ich belächelt werde, wenn ich mich eindeutig von Anfang gegen Übergriffe, die ich als solche bewerte, wehre. Mir fehlt da so manches Mal die weibliche Solidarität.
Männer sind nicht so – sie benehmen sich so, wenn sie denn in die Kategorie der „brünftigen Schimpansen“ (so wurde Strauß-Kahn von einem seiner Opfer genannt) gehören. Wohlgemerkt – es gibt sehr viele Männer, die Frauen respektieren und jede aufgezeigte Grenze wahren. Die meisten Männer, die ich kenne, gehören dazu. Doch ich habe Männer auch anders kennengelernt. Als ich 16 war und in einem Dentallabor in einem Büro ferienjobbte, nahmen sich beide Juniorchefs Freiheiten heraus, mit denen ich in diesem Alter weder umgehen konnte, noch sie richtig einzuordnen wusste. Deshalb gab ich mir die Schuld und kam keinen Tag mehr im Rock ins Büro, was allerdings wenig half. Als ich das Geschehene dann in einer Mittagspause unter den Kolleginnen andeutete, erntete ich nur mitleidige Blicke und die Aussage „ach so, na, da haben wir nur drauf gewartet, dass Dir das auch passiert“. Die Sprachlosigkeit stand mir ins Gesicht geschrieben.
Als ich die Vorfälle meinen Eltern erzählte, ging mein Vater zwar zum Chef, um ihm mit Klage gegen seine Söhne zu drohen– das half dann für den Rest meines Ferienjobs, aber von Anzeige war nie wirklich die Rede. Vielleicht war mir das ja auch lieber so. Denn als „Opfer“ muss man nicht nur das Mitleid, sondern vielleicht auch noch die Häme über sich ergehen lassen, geschweige denn, dass man die Übergriffe kaum beweisen kann, weil sie selbstverständlich ohne Zeugen stattfinden. Diese Erfahrung hat mich auf jeden Fall vorsichtig werden lassen, und einige spätere haben mich darin bestärkt, Männern – vor allem im angetrunkenen Zustand – nichtall zu viel Charme entgegenzubringen – das kann durchaus missdeutet werden.
Wenn Männer – wie im Falle von Strauß-Kahn vielfältig dokumentiert – meinen, dass ihnen ihre Macht das Recht verleiht, sich jede Frau zu nehmen, ob diese will oder nicht, dann ist etwas falsch im Staate Dänemark. Falsch ist vor allem, dass „stürmisches, drängendes Verhalten“ als etwas Normales geduldet ist und zum Teil mit Bewunderung – nicht nur von Männern – zur Kenntnis genommen wird. Wenn eine Frau weder mit Worten, aber keinesfalls mit Taten bedrängt werden will, dann muss das respektiert werden. Das ist kein Kavaliersdelikt und auch kein normales „Balzverhalten“.
Ich tanze gerne und mit Leidenschaft, aber mit Sicherheit nicht mehr zu „Sexmachine“ und ich werde ein wenig mehr auf die Texte achten, die sich hinter so manch schönen Arrangements verstecken. Denn es muss Schluss sein mit jeder Art von Sexismus und wir Frauen sollten uns solidarisch erweisen und dem „starken“ Geschlecht zeigen, dass Stärke sich in Respekt erweisen muss.


0 Antworten zu „Sexmachine….“



  1. Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s


Um neue Beiträge per E-Mail zu erhalten, hier die E-Mail-Adresse eingeben.

Join 5 other followers

Themenfelder

Archiv


Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.