Eine Reise nach Indien, eine Reise zu Ayurveda.
München Airport, Emirates Flug zum Einsteigen nach Dubai bereit. Dann weiter nach Trivandrum, bzw. Thiruvananthapuram, wie die Stadt ehemals hieß, der Hauptstadt der Provinz Kerala, der Ayurvedahochburg schlechthin. Wir fliegen Economy, weil Emirates mit üppiger Beinfreiheit und exquisitem Menü für diese Klasse geworben hat. Nicht nur die Krankenkassen pflegen seit langem eine Zwei- bzw. Dreiklassengesellschaft, sondern die Fluglinien haben dies wahrscheinlich als Geschäftsidee erfunden. Wir hoffen das Beste, werden aber eines Anderen belehrt: Marketing ist die eine Sache, die Wirklichkeit eine völlig andere. Von Beinfreiheit keine Spur, und über das Essen schweigt man besser. Zum Glück haben wir uns beim Online-check-in zwei Plätze für „disabled persons“ gesichert, heißt im Klartext, je einen Gangplatz, so dass wir zumindest von klaustrophischen Anfällen während des Fluges halbwegs befreit sind. Wir fragen uns allerdings schon, ob das Management daran denkt, dass es Menschen mit über 1,90 m Größe gibt. Nun gut, wir nehmen es mit Gelassenheit und freuen uns auf das Abenteuer Indien und Ayurveda, die jahrtausendalte indische Heilkunst.
In der „Zeit“ lese ich, dass eine Unternehmensberatung darüber nachgedacht hat, wie die Wirtschaftsleistung großer Unternehmen sehr zur Freude ihrer Aktionäre gesteigert werden könnte. Da von den fast 7 Milliarden Menschen auf der Erde der Markt von ca. 2-3 Milliarden mit den Verheißungen von Wissenschaft und Technik, sowie allerlei Luxusgütern bereits gut gesättigt ist, heißt es also, etwa weitere 3 Milliarden Menschen mit jenen zu beglücken. Das untere Drittel ist keine Käuferschaft, da diese sich im täglichen Überlebenskampf um eine Schale Reis, ein Fladenbrot oder gar um sauberes Wasser befindet. Die Zielgruppe des mittleren Drittels befindet sich vornehmlich in den sogenannten Schwellenländern. In eines dieser Länder sind wir nun unterwegs, um uns von der fremden Kultur und den Erfahrungen mit Ayurveda wie auch immer beeindrucken zu lassen.
Zwischenlandung in Dubai. Wir verlassen den Transitbereich nicht. Doch dieser lässt Käuferherzen höher schlagen. Hier sind wir in einer Luxusparallelwelt gelandet, wie die alle paar Meter wie Bahnhofsuhren herunterhängenden Rolex-Exemplare deutlich machen. Ein Schmuckladen konkurriert mit vielen anderen. Einfache, günstige Dinge gibt es hier nicht zu kaufen. Lediglich ein unermüdlicher McDonalds – der wahrscheinlich als Luxusgut angesehen wird – verschandelt die luxuriöse Atmosphäre. Die Globalisierung zeigt sich nicht nur in um die Welt fließenden Finanzströmen, sondern in einer Gleichschaltung von Angeboten, sei es Kleidung oder Essen betreffend. So finden wir, die wir in Spanien leben, uns absurderweise in einem arabischen Land in einer Tapasbar wieder, in der wir dann auch noch holländisches Bier trinken. Die Welt ist vereinheitlicht.
Nach vier Stunden weiterer Flugzeit landen wir in Trivandrum, dem kleinen, ziemlich einfachen Flughafen der Provinz Kerala. Die lange Schlange vor dem Immigrationsbeamten lässt mich doch den Gang zur Toilette wagen. Das war ein Fehler. Denn diese ist ein typisch indisches „Hockklo“ ohne jegliches Toilettenpapier. Ich beschließe, dass mein Bedürfnis kein dringendes ist.
Nach 40 Minuten Wartezeit können wir unser bereits irgendwo herumstehendes Gepäck in Empfang nehmen und nach draußen wandern. Im bunten Gewimmel der vielen Abholer entdecken wir schnell unseren Fahrer, der ein großes Schild mit unserem Namen hält. Youssuf, ein schüchterner, kleiner Inder, der mit seinem Reisebüro unseren Aufenthalt organisiert hat, lässt es sich nicht nehmen, uns persönlich zu unserem Resort zu begleiten. Auf der Fahrt warnt er uns vor dem abenteuerlichen Verkehr auf Keralas Straßen und beruhigt uns gleichermaßen, dass alles schon seine Ordnung hat. Es wird links gefahren, große Wagen haben Vorfahrt vor den kleinen und den Tuktuks, rikschaähnlichen Gefährten, und vor Mopeds und Fußgängern. Ampeln gibt es nicht, der Verkehr regelt sich durch gegenseitiges Anhupen.
Während der Fahrt erleben wir unseren ersten Kulturschock. Wir fahren eine Straße entlang, die wohl bald still gelegt werden soll, weil es eine neue, gut asphaltierte geben wird. Wir erblicken vor allem Berge von Müll und halb zerfallene, wenngleich bewohnte Hütten, aus denen ärmliche Gestalten schauen. Auf der Straße tummeln sich Ziegen, einige Hühner, ab und an muss einer mageren Kuh ausgewichen werden. Wir fragen uns, was wir hier machen. Wir, die „reichen“ Europäer, die sich nun in einem – für indische Verhältnisse – Luxusressort einquartieren. Mit der Zeit wird die Straße breiter, der Müll weniger, die Behausungen etwas stabiler, ja sogar die eine oder andere „Villa“ mit breitem, verschlossenem Eingangstor wird gesichtet. Es bleibt aber bunt, schmutzig und sehr fremd. Dann erreichen wir unser Resort. Wir werden von einer Sari tragenden jungen Dame mit Blumenkränzen begrüßt und lassen uns nieder, um aus einer Kokosnuss einen kühlen Drink zu uns zu nehmen. Nach allen Formalitäten werden wir in unser Zimmer, das heißt zu unserer „Hütte“ geleitet. Wir bewohnen einen kleinen Rundbau, der mit Blättern bedeckt ist, dies ist keralischer Stil, sagte der Reiseführer. Ein großes Bett mit indisch anmutendem Moskitonetz begrüßt uns, die Möbel sind aus Holz. Alles ist einfach, aber sauber und das Runddach hat eine beruhigende Wirkung. Ich spähe vorsichtig in das Badezimmer, das groß und ebenfalls sauber ist und eine europäische Toilette mit allem hat, was dazugehört. Leichtes Aufatmen!
Wir werden informiert, dass wir in zwei Stunden den Doktor sehen und (Jetlag hin, Jetlag her) die erste Anwendung bekommen. Nach schnellem Auspacken orientieren wir uns in der Anlage. Diese ist weitläufig, es geht auf und ab, überall stehen Töpfe mit benannten Pflanzen, große Bäume spenden Schatten, das Meer rauscht. Der Sandstrand ist endlos und fast leer, gesäumt von zahlreichen Fischerbooten. Kein Anblick wie an spanischen oder anderen Stränden dieser Welt. Viele ähnliche Hütten wie die unsere säumen den Weg hinunter zum Restaurant. Es ist friedlich, nur ab und zu schreit ein Vogel. Im offenen Restaurant blicken wir auf das Meer und nehmen unsere erste ayurvedische Mahlzeit ein. Es gibt nach Kardamom schmeckendes heißes Wasser und indische Currys. Zum Glück auch Salat nach europäischem Geschmack, denn weder Wasser noch Essen schmecken mir. Ich überlege, wohin ich in den nächsten Tagen ausbüchsen kann, um dem zu entgehen. Wie sich zeigen wird, wird sich diese Prinzessinenhaltung aber bald legen.
Teil 2
Am Nachmittag sehen wir den Doktor, das heißt, wir sehen zwei – einen männlich, einen weiblich. Wir werden gemeinsam examiniert, nachdem wir einen umfangreichen Fragebogen über unser körperliches und seelisches Befinden und sonst allerlei sehr persönlichen Fragen ausgefüllt haben. Die Ärzte gehen mit jedem von uns den Fragebogen durch, fragen nach, versichern sich, dass sie alles richtig verstanden haben, denn man spricht Englisch, indisches Englisch und unser etwas eingerostetes amerikanisches Englisch, was dann die Verständigung so manches Mal etwas erschwert. Mit Geduld und Humor versteht man sich letztlich. Wir haben die 14-tägige Verjüngungskur gebucht, doch man erklärt uns, dass „Panchakarma“ sehr wichtig sei, was so viel wie eine gründliche Reinigung des Körpers bedeutet. Nach ausführlicher Darstellung von Erbrechen, Einläufen etc., von denen ich bereits im Vorfeld schon gehört hatte, erklingt ein entschiedenes „Nein“ aus meinem Mund. Etwas ratlos werden neue Überzeugungsversuche gestartet. Es wird beteuert, dass keine einzige Person je in diesem Resort therapeutisch erbrochen hat, doch ich bin nicht überzeugt, auch die Vorstellung von Klistieren und ähnlichem bewirkt heftigste Abwehrbewegungen meinerseits. Ich bestehe auf dem, was ich gebucht habe und die sanften Inder geben solch starkem Willen nach.
Danach erfolgt die Diagnose nach den ayurvedischen „Doshas“, das sind die Körpersäfte, Vatha, Pitta und Kapha, die normalerweise mit dem Luft-, Feuer- und Wasserprinzip gleichgesetzt werden. Dann werden wir zu unserer ersten Anwendung begleitet und unseren Therapeuten vorgestellt. Mich empfängt eine „indische Mama“, der ich brav in den Behandlungsraum folge. Dort wartet eine ganz junge Frau, die mich anlächelt und sich leicht verbeugt. Der Raum ist klein, die Wände aus dunklem Stein, nach oben offen und den Blick auf das mit Palmenblättern gedeckte Dach und die mit dicken Seilen zusammengeknoteten Balken freigebend. Es herrscht eine dunkle, wohlige Atmosphäre, auf dem Boden liegt eine zusammengeklappte Matte, gegenüber steht eine hölzerne, schwere Liege, auf der sich nochmal eine Matte befindet. Auf einem kleinen Tischchen wird ein Öllämpchen entzündet, das kleine Neonlicht, das den Raum aufhellt, wird gelöscht. Es wird mir ein kleiner Hocker hingeschoben und man bedeutet mir, mich auszuziehen. Ich beginne damit und man bedeutet mir, dass noch mehr Kleidungsstücke fallen müssen. Etwas ungläubig, aber vom Jetlag ziemlich betäubt, folge ich den Anweisungen, bis ich, so wie Gott mich schuf vor zwei wildfremden, andersartig aussehenden Menschen stehe, die mich freundlich anlächeln. Die indische Mama reicht mir dann eine Art Fliesshose, die wie eine Windelhose anmutet, und sich beim Darüberziehen als reichlich groß herausstellt. Dann setze ich mich auf den Hocker, die junge Frau verläßt den Raum, die indische Mama legt mir beruhigend die Hand auf die Schulter und lächelt freundlich. Dann beginnt sie, mir die Haare zu ölen und in ruhigen, kräftigen Bewegungen das Haar nach hinten zu streichen. Anschließend folgen weitere schnelle Bewegungen, Klopfen und Klatschen auf dem Kopf, das mich verwundert, aber angenehm entspannt. Es folgt die üppige Einreibung mit stark riechendem Öl – Sesamöl, wie ich später in Erfahrung bringe. Die Tür öffnet sich und die junge Frau kommt wie auf Katzenpfoten in den Raum, wieder legt mir die indische Mama beruhigend die Hand auf die Schulter. Mit einem kleinen Ritual – das mir wie eine Verneigung vor dem „Patienten“ erscheint, beginnt die Massage. Dann erlebe ich das erste Mal eine der berühmten Synchronmassagen. Vier Hände gleiten mit rhythmischen Bewegungen über meinen sitzenden Körper. Völlige Übereinstimmung der beiden Therapeuten lassen mich schläfrig werden. Nach geraumer Zeit bedeutet man mir, mich mit meinem Höckerchen in die Ecke zu setzen, in der ich dann etwas verschämt in diesem seltsamen Kleidungsstück sitze und beobachte, wie die am Boden liegende Matte auf Doppelbettgröße auseinandergeklappt wird.
Von der Decke hängt ein zweifachgewundenes, dickes Seil. Meine Gedanken wohl erahnend, legt mir meine Haupttherapeutin wieder die Hand auf die Schulter und lacht leise und aufmunternd. Dann verlässt sie den Raum und die junge Therapeutin bittet mich darum, mich mit dem Gesicht nach oben auf die Matte zu legen. Sie spreizt meine Beine leicht auseinander, legt meine Arme ausgestreckt von mir auf die Matte. Dann begießt sie mich reichlich mit warmem Öl, schlingt ein Handtuch durch das Seil und beginnt, während sie auf einem Fuß balanciert, mich mit dem anderen Fuß kräftig zu massieren. Als ich bejahe, dass der „pressure““ ok. sei, folgt eine lange Massage auf beiden Seiten des Körpers in dieser ausgestreckten Haltung. Wäre ich völlig nackt, wäre mir die Behandlung unangenehm, denn die Beine werden sehr eingehend und tiefgehend massiert, auch der Brustkorb wird nicht ausgespart. Das ist wohl der Grund, warum Frauen ausschließlich von Frauen massiert werden und Männer von Männern. Anschließend werde ich auf die Liege gebeten, die Haupttherapeutin erscheint und es gibt noch einmal ein Synchronmassage, diesmal des ganzen Körpers. Ich entschwebe in die Seligkeit, wohl auch dem langen Schlafmangel geschuldet. Nun dauert die Prozedur bereits über eine Stunde und noch ist kein Ende abzusehen. Denn jetzt werde ich aufgefordert, den Körper zu drehen und am anderen Ende der Liege den Kopf in eine Kuhle zu legen. Über mir sehe ich eine runde Schale, ich höre wie der kleine Ofen im Raum angeworfen wird, um das Öl zu erhitzen und bekomme eine kleine Binde oberhalb der Nasenwurzel, die von einer Stirnseite zur anderen reicht. Dann beginnt „Shirodara“, ein geheimnisvoller Stirnölguß, über den die eigentümlichsten Beschreibungen in Büchern stehen. Wohlig warm fließt das Öl auf meine Stirn, es scheint sich hin- und herzu bewegen, es herrscht völlige Stille im Raum. Nur aus den anliegenden Räumen sind leise Stimmen und leichtes Klappern der Metallschüsseln für Öl und Wasser zu hören. Ich entschlummere selig und entspannt, bis ich eine leise Stimme fragen höre „sleeping“? Man hilft mir von der Liege herunter, reibt das Öl ab, bindet mir einen kleinen Stoffturban ums ermattete Haupt, entledigt mich meiner Windelhose und hüllt mich in einen grünen Stoffmantel ein, der mich wie eine Chirurgin eines Krankenhauses aussehen lässt. Die indische Mama geleitet mich mit leichter Armunterstützung nach draußen, placiert mich zu anderen wartenden „Patienten“ und drückt mir mit einem Lächeln eine Kokosnuss in die Hand, ähnlich wie bei der Begrüßung im Resort. Ich sitze eine Weile, fühle mich aber unter den Patienten nicht wohl und stolpere in unsere Hütte. Nach einer ausgiebigen Dusche gehen wir ins Restaurant und ich trinke mit etwas weniger Abneigung das heiße Kräuterwasser, der Salat schmeckt köstlich und siehe da, die Currys des Abends munden mir. Ich fühle mich entspannt und angekommen im Ayurvedaland. Weitere Überraschungen beim indischen Yoga und den nächsten Anwendungen werden folgen.
Teil 3
Kerala, God ‘s own country, wie es genannt wird, ist angeblich die wohlhabendste Provinz Indiens. Fischfang und Agrarwirtschaft blühen in einem überaus fruchtbaren Landstrich, und vor allem der Ayurvedaboom hat viele Europäer hierhergeführt, die ihr Geld nicht nur in den Ayurvedaresorts, sondern in den vielen Restaurants und Läden und bei den zahlreichen Strandverkäufern und den für indische Verhältnisse wahrscheinlich wenigen Bettlern lassen. Der Bundesstaat hat außerdem die höchste Bildungsquote zu verzeichnen, weil die demokratisch gewählte kommunistische Partei sehr bestrebt ist, dass jedes Kind die Schule besucht. Wer es sich leisten kann, schickt die Kinder auf englische Privatschulen. So hat sich ein bescheidener Wohlstand ergeben. Und während die Europäer, der Pillen- und Apparatemedizin müde, mit allerlei Beschwerden nach Ayurvedaland eilen, um sich auf jahrtausendealte traditionelle Weise heilen zu lassen, finden es die Inder immer schicker, sich der westlichen Medizin zuzuwenden. Im „reichen“ Kerala steigt das Verlangen der Menschen nach westlichen Gütern und fatalerweise nach „immer mehr davon“. Die innere Balance wird dadurch genauso beeinträchtigt, wie es bei uns Europäern schon lange der Fall ist. Noch hat sich die Eile, die Beschäftigung mit vielem Unnötigem, das Verlangen nach mehr Geld, Ruhm und Ehre und dem damit einhergehendem Stress offensichtlich noch nicht in diesem heiligen Land ausgewirkt, denn die Menschen bewegen sich viel gemächlicher, als wir das tun, und ihr Tagesprogramm ist nicht von stetem Treiben und äußerer und innerer Hektik erfüllt – so scheint es aus unserem europäischen Blickwinkel zumindest. Dennoch ist die Selbstmordrate in dieser vergleichbar wohlhabenden Provinz am höchsten, wie uns ein ayurvedischer Arzt berichtete.
An unserem zweiten Tag im Ressort gehe ich joggen, so wie ich das zu Hause fast jeden Tag tue. Ich laufe am endlos langen Strand, bzw. zuerst auf der parallel laufenden, kleinen, asphaltierten Straße, die an den Behausungen der Fischer entlangführt. Es herrscht bereits morgens um kurz vor 8 Uhr reges Treiben auf der Straße. Grüppchen von Sari tragenden Frauen schwatzen miteinander, Obsthändler verkaufen ihre Ware, Männer lungern am Straßenrand, Kinder kommen mir entgegen und rufen etwas hinter mir her. Viele der Behausungen sind zum Strand hin offen, so dass ich einen Einblick in das Leben erhasche. Es ist alles äußerst einfach, aber die Kinder sind bereits in ihrer Schuluniform herausgeputzt und werden von ihren Müttern mit Frühstück versorgt. Trotz der Tatsache, dass wahrscheinlich in keiner dieser Hütten eine Waschmaschine vorhanden ist, wirken die Kinder wie aus dem Ei gepellt. Die Menschenansammlungen auf der Straße werden immer mehr, je weiter ich laufe. Lastwagen und Mopeds schieben sich auf der engen Straße entlang, auf der Wiese zwischen Straße und Strand weiden Kühe und Ziegen, dazwischen liegen Boote – wohl zur Reparatur. Die Frauen beachten mich kaum, aber die Männer rufen mir ab und zu Unverständliches nach. Mir ist etwas unwohl in meinem Joggingoutfit zwischen all den verhüllten Frauen, deshalb biege ich ab zum Strand, in der Hoffnung, dass es dort etwas ruhiger ist. Zwei ältere Jungs laufen hinter mir her und rufen dreist „money?“, ich ignoriere sie. Am Strand angekommen, laufe ich an den vielen Fischerbooten vorbei. Gruppen von Männern ziehen riesige Netze aus dem Meer, indem sie sich rhythmisch bewegen und dabei singen. Einige liegen unter den auf den Strand gezogenen Booten und schlafen. Eine Gruppe bricht in lautes Lachen aus, als ich vorbeilaufe. Ich bin mir nicht sicher, ob es meine doch spärliche Laufbekleidung ist oder die Tatsache, dass ich bei dieser bereits morgendlichen Hitze mich derart schnell bewege. Einige rufen hinter mir her – zum Glück verstehe ich nicht, was der Inhalt ist –, ich kann es mir aber denken. Hier ist es nicht üblich, dass Frauen sich so leicht bekleidet zeigen, es wird Sari getragen und in dieser Montur auch ins Meer gegangen, wenn sie überhaupt baden. Ich mache kehrt und laufe zurück zu unserem Hotelstrand, der bewacht ist und jeden Morgen gesäubert wird. Fischer dürfen sich dort nicht aufhalten. An den „öffentlichen“ Stränden liegt sehr viel Müll herum, der zum Teil achtlos liegengelassen wurde, zum Teil auch von den Wellen an den Strand gespült wurde. Dort muss ich ständig die Kothaufen umkreisen, die, wie ich später erfahre, nicht nur von Hunden hinterlassen wurden, sondern von den Fischern. Was ich für eine meditative Haltung hielt, als ich Männer in der Hocke am Strand sitzen sah, war alles andere als das. Die nächsten Tage gehen wir nur zu zweit zum Spazierengehen an den Strand.
Als sportlichen Ausgleich probiere ich Yoga. In einer großen Halle oberhalb des Ayurvedazentrums, in dem unsere Anwendungen stattfinden, haben sich bereits viele Teilnehmer eingefunden. Der Raum ist hoch, die Balken sind wie in den Therapieräumen mit dicken Seilen miteinander verbunden. An den Wänden hängen Kalligraphien mit Yogapositionen. Der Lehrer ist ein kleiner, fast zarter Inder. Wir beginnen im Schneidersitz, die Finger in der Lotusposition, d.h. der Zeigefinger berührt den Daumen, der Unterarm liegt locker auf dem Knie. Es wird dreimal „OM“ gesungen, bzw. mehr gebrummt. Da mir das fremd ist, schwinge ich einfach im „OM“ des Lehrers und der Gruppe mit. Anschließend singt unser Lehrer mit guturaler Stimme ein Gebet, wie er kurz anmerkt. Ich verstehe am Ende nur „shanti, shanti“ – das ist Sanskrit, die Sprache der Veden, der jahrtausendealten indischen Philosophie.
Dann beginnen die Übungen, erst die Augen, dann der Kopf, dann die Schultern, danach eine komplexe Yogaübung, die „Begrüßung der Sonne“. Eine Teilübung geht nahtlos in die nächste über, die Anweisungen sind relativ schnell, und unser Lehrer verfällt dabei in einen indisch-englischen Singsang, an den ich mich gewöhnen muss. „inhale, wait, exhale“, die Stimme geht melodisch auf und ab. Nach anfänglicher Verwunderung finde ich den Rhythmus angenehm, gleite von einer Bewegung zur anderen. Meine Steifheit macht sich bemerkbar, aber ich dehne tapfer, so gut es geht. Wir arbeiten eineinhalb Stunden zügig, nur mit der entspannenden Yogaposition für kurze Momente zwischendurch. Zum Abschluss sitzen wir wieder im Schneidersitz – so gut es halt geht – und die Gruppe singt „OM“, ein Vibrieren geht durch den Raum, eine beruhigende Schwingung breitet sich aus. Als unser Lehrer das Abschlussgebet singt, bin ich in einer sehr entspannten, fast meditativen Stimmung.
An den nächsten Tagen verbessert sich die Steifheit meiner Glieder, doch die Schmerzen im Körper wandern von Tag zu Tag, denn die Übungen wechseln und beanspruchen jeweils andere Muskelgruppen. Unser Lehrer ist sehr engagiert und erklärt uns den Sinn von Yoga in anschließenden kurzen Vorträgen, zeigt uns spezielle Atemübungen, die sehr entspannend und beruhigend auf mich wirken. Yoga ist kein Sport, sagt er, es verbessert zwar die Flexibilität des Körpers, stärkt die Muskeln, soll aber vorwiegend für Willensstärke und einen friedlichen Geist sorgen. Jederzeit vorbereitet sein auf die manchmal hohen Anforderungen der Lebens, so erklärt unser Lehrer. Europas Stressstruktur weicht langsam aus meinem Körper und aus meinem Denken.
Neben Strandbesuchen und gelegentlichen Ausflügen zum nächsten Ort, der uns das lebhafte indische Leben nahebringt, widmen wir uns den ayurvedischen Anwendungen. Zu meiner zweiten Sitzung erscheine ich in meiner eigenen Wäsche, eine etwas knappere dunkle „underwear“ und bestehe darauf, diese statt der Windelhose anzubehalten. Meine beiden sanftmütigen Therapeutinnen willigen sofort verständnisvoll ein. Die Inder empfinden wir generell als meist sehr freundlich und gelassen, nie ein Wort über ihre manchmal doch widrigen Umstände verlierend, in denen sie leben. Es wird viel gelächelt und gefragt, wie es uns geht und ob wir morgen vielleicht wiederkommen, wenn wir bei einem Händler nichts kaufen wollen. Nie erleben wir eine vergrämte Miene oder gar Unfreundlichkeit. Die Händler sind manchmal anstrengend, mit ihren ständigen Angeboten, mit denen sie uns bedrängen. Doch bei einem freundlichen, aber entschiedenem Nein lassen sie schnell ab und bleiben dennoch freundlich. Sie schätzen kleine, humorvolle Scherze – auch meine Therapeutin tut das. Bei einer bevorstehenden Gesichtsbehandlung, scherzt sie mit mir „today beauty – good for husband“ und kichert wie ein kleines Mädchen. Als ich, um ihr ein wenig die Haltung westlicher, doch sehr emanzipierter Frauen nahezubringen, erwidere „and good for me“, kommt sofort etwas schuldbewusst, ein „of course“ zurück, als hätte sie die Grenze zwischen Therapeutin und Kundin übersprungen. So hatte ich es gar nicht gemeint und greife ihren Scherz sehr zu ihrem Vergnügen bei der nächsten Beautybehandlung wieder auf, was ihr ein glucksendes Lachen entlockt. Diese Menschen sind so erstaunlich heiter, dass ich mich so mancher kleinerer Beschwerden über im Vergleich nichtige Dinge des Alltags fast schäme. So sind die Menschen und das Land Teil eine heilsame Therapie.
Diese auf den ersten Eindruck hin wie Wellness erscheinende „Therapie“ erweist sich als viel tiefer reichend, als von mir vermutet. Über den Körper wird der Zugang gesucht zu tief sitzenden Ursachen für die unterschiedlichen Beschwerden, mit denen Menschen auf diese Art der Heilung zurückgreifen. Seien es diejenigen, die von Gelenkschmerzen in allen Variationen geplagt werden, oder Menschen, die im Lebensstrudel und in der Hektik der modernen Zivilisationen sich selbst und ihre wirklichen Bedürfnisse und Sehnsüchte aus den Augen verloren haben. Selbst die, die einfach nur eine kleine Auszeit aus ihrem festgezurrten Leben suchen, erfahren auf wundersame Weise, dass sie sich hier nicht im Chichi-Wellnessland befinden. Für jeden „Kunden“ des Resorts wird eine individuelle Therapie entwickelt, die sich aus diversen unterschiedlichen Massagen, Kräuteranwendungen und speziell für jede Person hergestellte Medizin zusammensetzt. Es gibt eine ayurvedische Apotheke, die alle erdenklichen Kräutermedikamente aufweist und die auf Anweisung der ayurvedischen Ärzte die Mixturen herstellt.
Nach einigen Tagen erlebe ich während einer der intensiven Massagen, die mit viel warmem, über meinen ganzen Körper gegossenen Öl durchgeführt wird, eine Veränderung in meiner Seele und in meinem Geist, die mich erst ein wenig verwirrt. Ein Freund vermittelt mir deshalb den Kontakt zu einem – hier in Kerala und in der ganzen Welt inzwischen sehr bekanntem Arzt, der nicht nur die ayurvedische Medizin lange studiert hat, sondern auch in der westlichen Medizin gut ausgebildet ist. Dieser erklärt mir die Phänomene auf anschauliche und für mich „Westlerin“ und zudem sehr wissenschaftsorientierte Person verständliche Art und Weise, so dass ich mich diesen danach besser öffnen kann. Es ist eine spannende Reise in die Geschichte, die jeder Körper und jeder Geist aufzuweisen hat. Sie ist noch nicht zu Ende, und ich bin gespannt, wohin sie mich noch führt. Nach der ersten Woche im Ayurvedaland spüre ich mehr Energie in meinem Körper, die Bewegungen beim Laufen, beim Yoga werden leichter und selbstverständlicher, meine Sinne richten sich mehr auf die Dinge, die mir in meinem Leben eigentlich immer wichtiger gewesen sind, und die ich manchmal aus dem Blick verloren hatte.
Teil 4
Wir sitzen im Flieger zurück über Dubai nach München. Die beschauliche und beschützende Atmosphäre des Resorts liegt hinter uns. 14 Tage Indien, in denen wir nicht mehr gesehen haben als das nahe Städtchen und bei der Durchfahrt zu einem Elefantenresort die Hauptstadt Trivandrum, in der wir kurz bei einem Hindutempel anhielten. Da es Touristen nicht erlaubt ist, diese Tempel zu betreten, mussten wir uns mit einem Blick in den weitläufigen Innenraum und auf die beeindruckende Fassade aus kunstvollen Granitfiguren begnügen. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs fand ein Hindufest statt, so dass viele Menschen in den Tempel strömten, und so konnten wir wenigstens einen Blick auf die Rituale dieser Religion erhaschen. Die männlichen Tempelbesucher verschwanden vor dem Tempel in einem kleinen Haus und entledigten sich dort offensichtlich ihrer westlichen Bein- und Oberbekleidung, denn sie kamen mit einem um den Unterkörper gewickelten Tuch, das bis zu den Fußsohlen reichte, und mit nacktem Oberkörper heraus und strömten dann durch einen Seiteneingang in das Tempelinnere. Die Frauen, Sari tragend, zogen lediglich ihre Schuhe aus und gingen an der Vorderseite in den Tempel. Vor dem Hineingehen wurden Blumengaben dargebracht und Räucherstäbchen entzündet. Alles Weitere entzog sich unseren neugierigen Blicken. Die Atmosphäre war sehr bunt und ziemlich lautstark. Viele Menschen waren in großen Reisebussen angereist, Schulklassen, von ihren Lehrern geführt, zogen fröhlich an uns vorbei. Als die Kinder sahen, dass ich sie fotografierte, winkten sie fröhlich und riefen zum Teil „How are you?“. Man konnte sich ihrem überbordenden Charme nicht entziehen. Dieses extrovertierte Interesse kannte ich so nicht aus unseren Breitengraden. Liegt das an den Genen, die diese jahrtausendealte Kultur mit ihrer Weisheit gespeichert haben, am wärmendem Klima, am Leben in ihren Religionen (es gibt viele Christen, Muslime, Hindi und wenige Buddhisten in diesem Landstrich) oder an einer Erziehung, die weniger ich-zentriert ist als in Europa? Die Zeit unseres Aufenthaltes reicht nicht aus, um das näher zu erforschen. Mir wird aber unter diesen Menschen bewusst, dass nicht nur ich, sondern auch alle, die ich kenne, viel seltener lächeln und Heiterkeit ausstrahlen als die meisten, die ich hier im Alltag beobachte. Sicher, auch hier gibt es Griesgrame und unfreundliche Zeitgenossen, doch im direkten Kontakt sind selbst diese nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen oder gar zu verärgern, wie wir. Sie scheinen sich mehr mit allen auftauchenden Widrigkeiten abzufinden und keine unnötige Energie mit Dingen zu verschwenden, die nicht zu ändern sind. Die Gelassenheit hat jedoch auch ihre Schattenseiten. Wenn der Gast sich beim Frühstück selbst um Besteck, Kaffee, Teller, Tassen etc. kümmern muss, während viel Personal scheinbar beschäftigt, aber seltsam desorientiert um die Gäste herumschwebt, ist schon sehr viel ayurvedische Geduld gefragt, um nicht aus der Haut zu fahren. Wir nehmen es als Gelassenheitstest unsererseits und sind erfreut, zu sehen, dass im Schwesterrestaurant des Resorts der Service um Klassen besser funktioniert, weil ein wachsamer Restaurantleiter dafür sorgt, dass die Gäste das volle Interesse genießen.
Für mich gewöhnungsbedürftig war auch, dass ich nie nach meinen Wünschen gefragt wurde, wenn mein Mann dabei war, sei es im Restaurant, sei es in den Läden. Selbst der Wächter des Tores zum Strand, der beim Kommen und Gehen nach der Zimmernummer fragte, begrüßte nur den Herrn, nicht die Dame. Ich war in den ersten Tagen so in meinem europäischen Rhythmus, dass mir das nicht einmal aufgefallen war – zumal ich sowieso direkt meinen Bedürfnissen Ausdruck verlieh, ob ich gefragt wurde oder nicht. Doch irgendwann war es unmöglich, diese für mich als Unhöflichkeit empfundene „Unart“ zu übersehen. Der Mann hat immer Vorrang in der indischen Gesellschaft. Wir haben das dann fröhlich missachtet, indem wir unser westliches Modell dagegenhielten. Das war für die flexiblen und mit den seltsamen Gebräuchen der Europäer bereits bestens vertrauten Inder auch kein Problem.
Aufgrund der täglichen Anwendungen waren wir zum Glück so entspannt, dass wir kaum Ärger aufkommen ließen. Nur als die Fahrt in das Elefantenressort zu einer einzigen Enttäuschung wird, machen wir unserem Ärger ziemlich deutlich Luft. Denn nach einer dreistündigen Fahrt dorthin finden wir nur zwei Elefanten vor, die einige Meter voneinander getrennt in Ketten stehen. Es sind Mutter und Sohn, die aber nicht zueinander kommen können. Die Betreuer finden gar nichts dabei, dass der Kleine an den Ketten zehrt und sichtbar unglücklich mit seinem Zustand ist, und sie fordern uns auf, die beiden Tiere zu fotografieren oder zu füttern. Sie fragen uns auch, ob wir nicht auf dem großen Elefanten reiten wollen. Ich mache auf dem Absatz kehrt, von Mitleid überwältigt mit diesen Kreaturen, und fordere die sofortige Rückfahrt zu unserem Hotel. Eine große Peinlichkeit für unseren Fahrer, der recht weiß, wie er damit umgehen soll und uns zu allem Überfluss stattdessen einen Trip in einen Gewürzladen anbietet. Für einen Moment war meine heitere Gelassenheit der letzten Tage dahin und ich war wieder in der Realität angekommen. Wir sind gespannt, wie Youssuf, der uns diesen Ausflug verkauft hatte, damit umgehen würde. Er ist auf unsere Beschwerde nicht im mindesten vorbereitet und zutiefst bestürzt. Den meisten Indern sind Konflikte offenbar ein Greuel, und sie versuchen immer, diese mit allerlei biegsamem Geschick entweder abzuwenden oder denjenigen, der den Konflikt offen auszutragen versucht, mit sanftem Ablenken auf weniger mit Minen bestücktes Gebiet zu locken. Diese defensive Haltung ist schon fast wieder bewundernswert, weil der Ärger so nach geraumer Weile verpufft oder zumindest weniger wird, und weil man – wie in unserem Fall – so dazu bewogen wird, selbst einen für beide Seiten akzeptablen Ausweg aus dem Dilemma zu finden. Lebenskunst auf einem anderen kulturellen Niveau. Wir sind wieder um eine Erfahrung in diesem fremden Land reicher.
Dennoch entschließen wir uns, keine weiteren Ausflüge mehr zu buchen. Denn diese sind – bis auf nicht immer ungefährliche Dschungelausflüge – doch nur die üblichen touristischen Attraktionen, bei welchen man vor allem für die überall anwesenden Händler als touristische Goldesel auf zwei Beinen wird. Lieber widmen wir unsere Zeit den Beobachtungen der Fischer am Strand, den Frauen, die in Gruppen ihre Arbeit verrichten und fröhlich miteinander schnattern. Dies ist authentisches indisches Leben ohne touristischen Schnickschnack. Zudem ist die innere Reise, die wir mit unserem Programm angetreten haben, um so viel spannender als jede noch so exotische Attraktion.
Nicht jeder macht zwangsläufig derartige mentale Erfahrungen, wie ich einigen Gesprächen entnehmen konnte. Ayurveda ist ein sehr persönlicher Prozess – jeder geht auf seine eigene Reise; bei dem einen ist sie mehr körperlich orientiert, beim anderen mehr mental oder die Seele berührend. Vor allem ist es ein Prozess, dessen Original – so begreife ich – einer jahrtausendealten Kultur und sehr langem Lernen der Therapeuten entspricht (5 Jahre Studium hatte der bestens ausgebildete Arzt zu verzeichnen). So kann ich mir nun nicht mehr vorstellen, dass dies in Europa in dieser Form möglich ist, vor allem nicht, wenn man Teile aus dem Programm nimmt und sie in den Wellnesscentern vieler guter Hotels mit anderen Formen von Massagen und Anwendungen anbietet. Dies kann zwar für den Moment für Entspannung sorgen, aber sicher nicht in diesen intensiven Prozess führen, wie wir und einige unserer Freunde ihn erlebt haben. Ähnlich wie mit Yoga, das inzwischen in vielen Formen angeboten wird, ist die Darbietung in Europa wohl mehr eine Frage des Marketings. Da der Begriff „Ayurveda“ nicht geschützt werden kann, weil er zu alt ist und deshalb allen gehört, kann er für vieles benutzt werden. In der intensiven Form jedoch, wie die Therapien in vielen Ayurvedaresorts in Indien oder Sri Lanka angeboten werden, dürften sie in unseren Breitengraden schon aufgrund der hohen Personalkosten wohl kaum bezahlbar sein. Die allerorten angebotenen Ayurvedamassagen können nur Appetitanreger auf wirkliches Ayurveda sein – womit sie ja durchaus ihren Zweck erfüllen.
Körper, Seele und Geist im Einklang – das ist für mich erlebtes Ayurveda. Die Reise war anstrengend, aber spannend, und ich würde sie nicht missen wollen.
Unsere Indienreise ist damit beendet. Es wird sich einiges ändern in unserem Leben, so haben wir beschlossen. Wir hoffen, dass die guten Vorsätze die Schnelligkeit unseres Alltags überdauern werden. „Yoga is skillfull action to get peace of mind“, diesen Satz meines Yogalehrers werde ich im Kopf behalten und seinen Rat „find your teacher and you`ll be fine“ ebenfalls. Und Ayurveda im nächsten und den darauffolgenden Jahren wird Teil unseres Lebens werden – wenn nicht in Indien, dann zumindest im Herzen und im Geist.